Die bekanntesten Ammenmärchen rund ums Stillen – und was wirklich stimmt

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Die bekanntesten Ammenmärchen rund ums Stillen – und was wirklich stimmt

Kaum bist du schwanger oder frischgebackene Mama, kommen die Ratschläge: von der Oma, der Nachbarin, aus dem Internet. Vieles ist gut gemeint, manches schlicht falsch. Und manches verunsichert so sehr, dass Frauen früher abstillen, als sie eigentlich wollten. Bei meinen Besuchen begegnen mir dieselben Märchen immer wieder. Hier räume ich mit den hartnäckigsten auf.

„Du darfst nur alle drei Stunden stillen.”

Stimmt nicht. Es gibt keinen Stillrhythmus, den du einhalten musst. Der Drei-Stunden-Takt stammt aus einer Zeit, in der Babys nach der Uhr gefüttert wurden. Neugeborene wollen 8- bis 12-mal in 24 Stunden trinken, manche öfter, und das darf sich völlig unregelmäßig anfühlen. Dein Baby zeigt dir, wann es Hunger hat, und du legst es an. Nur wenn es so schläfrig ist, dass es sich kaum meldet, wecken wir es sanft. Je öfter angelegt wird, desto besser kommt die Milchbildung in Gang.

„Neue Milch auf alte Milch macht Bauchweh.”

Auch das stimmt nicht. Muttermilch wird schnell verdaut, und dein Baby kann problemlos wieder trinken, auch wenn es vor einer Stunde erst gestillt hat. Besonders abends wollen viele Babys ständig an die Brust, das nennt man Clusterfeeding. Das ist anstrengend, aber normal, und oft folgt danach ein langer Schlaf. Wenn Bauchweh da ist, steckt meistens etwas anderes dahinter, zum Beispiel Luft, die beim ungünstigen Anlegen mitgeschluckt wird.

„Wenn ich oft stille, wird die Milch wässrig.”

Es ist eher umgekehrt. Der Fettgehalt der Milch hängt davon ab, wie voll die Brust ist: Je leerer, desto fettreicher. Kurze Abstände machen die Milch also nicht dünner. Die Milch am Anfang einer Mahlzeit wirkt heller, gegen Ende wird sie cremiger, das ist ein fließender Übergang. Und abgepumpte Milch setzt im Fläschchen oben Fett ab, darunter sieht sie bläulich aus. Auch das ist völlig normal.

„Beim Stillen darf ich viele Lebensmittel nicht essen.”

Nein, es gibt keine Stilldiät. Kohl, Zwiebeln, Zitrusfrüchte oder Scharfes darfst du essen, wenn es dir guttut. Nur Alkohol sollte in der Stillzeit besser wegbleiben, Kaffee und Tee sind in Maßen in Ordnung (etwa zwei bis drei Tassen), und Raubfische wie Thunfisch oder Schwertfisch meidest du wegen der Schwermetalle. Ansonsten gilt: abwechslungsreich essen, nach Durst trinken. Reagiert dein Baby auffällig auf ein bestimmtes Lebensmittel, kannst du es immer noch weglassen.

„Wenn ich wieder schwanger bin, muss ich abstillen.”

Nicht automatisch. Ist die Schwangerschaft gesund und verläuft sie unauffällig, spricht meist nichts gegen das Weiterstillen. Wichtig ist, dass du dich gut ernährst und auf deinen Körper hörst. Hattest du Fehl- oder Frühgeburten, Blutungen oder vorzeitige Wehen, besprich es bitte mit deiner Ärztin oder mit mir. Oft nimmt die Milchmenge ab, die Brustwarzen werden empfindlich und der Geschmack ändert sich, viele Kinder stillen sich deshalb von selbst ab. Weiterstillen darfst du, abstillen auch. Es ist deine Entscheidung.

„Bei einer Brustentzündung muss ich abstillen.”

Im Gegenteil: Weiterstillen ist Teil der Behandlung. Die Milch schadet deinem Baby nicht, und plötzliches Abstillen kann die Entzündung verschlimmern. Hilfreich sind regelmäßiges Entleeren der Brust (nach Bedarf, ohne sie leer zu pumpen), Kühlen nach dem Stillen, Ruhe und sanftes Streichen statt kräftigem Massieren. Ibuprofen kann gegen Schmerzen und Entzündung helfen, besprich es bitte mit deiner Hebamme oder Apotheke. Bei Fieber, Schüttelfrost, sich ausbreitender Rötung oder wenn es nach ein bis zwei Tagen nicht besser wird, geh bitte zur Ärztin. Es gibt stillverträgliche Antibiotika.

Bonus: „Wunde Brustwarzen gehören dazu.”

Ein bisschen Empfindlichkeit am Anfang ja, richtig wehtun nein. Wenn Stillen dauerhaft schmerzt, steckt meistens eine Ursache dahinter, die sich beheben lässt, oft schon mit kleinen Änderungen beim Anlegen. Du musst da nicht durch.

Noch Fragen?

Du hörst noch ein Märchen, bei dem du unsicher bist? Schreib mir oder sprich mich bei meinem nächsten Besuch darauf an, ich freue mich darauf. Und wenn du beim Stillen Unterstützung brauchst, melde dich gern.